In Zürichs Strasse der Eitelkeiten schlechthin, der Bahnhofstrasse, fiel mir im Vorbeigehen jener Herr auf. Er hatte sich an einem Stehtisch eines Cafés platziert, welches für Angehörige jener sozialen Schicht mehr oder minder ein «Muss» ist – wenn man gesehen werden will (und nicht um selbst zu sehen). Er hatte sich seinen Platz wohl überlegt ausgesucht! Obwohl einige Tische mit Stühlen frei waren, zog er es vor, an jenem Stehtisch zu positionieren, von wo aus er einen leicht ab- oder erhobenen, aber dennoch teilweise gedeckten Überblick über das für ihn wichtige Geschehen hatte. Er beobachtete sein nahes Umfeld sehr genau, nicht aber mich auf der anderen Strassenseite, der ich in aller Seelenruhe das grosse Objektiv aus der Tasche kramte, die Kamera auf «Serienbild» einstellte und immer mal wieder Reihen von drei bis fünf Bildern mit Hilfe des ausklappbaren Displays schoss. Wirklich: Ausklappbare und verdrehbare Displays verdienen meines Erachtens den Nobelpreis für Physik, noch unentdeckter kann man Menschen nicht ablichten! Übrig geblieben ist dieses Bild von jenem Herrn, der zwischenzeitlich betont auffällig unauffällig an seinem iPod herum fichtelte und dabei aus dem Augenwinkel das in Augenschein nahm, was ihn interessierte, sich dabei von einem Bein auf das andere verlagernd, während sein Oberkörper betont entspannt an der Hausecke des Cafés lehnte. Ich setzte meinen kleinen Streifzug durch das Quartier fort, kehrte aber gut eine Stunde später wieder hierhin zurück, um mit dem Tram nach Hause zu fahren. Der Herr lehnte immer noch an der Hausecke und scante, wer ihn denn wohl wahr nehmen würde.

Wenn mir derartige Musterbeispiele für jene «Bahnhofstrassen-Eitelkeit» unterkommen, dann kann ich nicht anders. Ich. Muss. Abdrücken.