Manchmal «gelingen» mir Aufnahmen, bei denen mir erst nach Erstellen und bei deren Bearbeitung auffällt, was ich für eine mehr oder minder sehenswerte Besonderheit fest gehalten habe. Manchmal ist es Intuition, ein nicht näher beschreibbares Gefühl, welches mich an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit ein Foto machen lässt, öfters aber ist es blanker Zufall und in einer dann erstellten Serie von mehren kurz hintereinander geschossenen Bildern verbirgt sich eines, welches mich zwei Mal hin sehen lässt. Dieses Foto ist ein Beispiel für so ein Zufallsprodukt. Ich stand in der Agglomeration Zürichs auf einem Bahnhof und spielte ein wenig mit den Spiegelungen einer Fensterwand auf der anderen Seite der Gleise, studierte die Verzerrungen, die diese übergrossen Spiegel verursachten. Ich nutzte diese Fensterwand, um ein Selbstbildnis aus grösserer Entfernung zu machen. Beim Bearbeiten jenes Fotos fiel mir dann die Besonderheit (genau genommen zwei) jenes Momentes auf, die Zufälligkeit, die mir im Moment des Fotografierens entgangen war, die ich nicht wahr genommen und auch nicht beabsichtigt hatte.
Abgrundtiefer Zyniker, der ich nun einmal bin, fiel mir vor allem der Werbetext oben links ins Auge. Dass meine Zeit in den allermeisten Momenten vor allem anderen und für andere besonders wertvoll ist, verwundert nicht, wenn man meinen Beruf als Tram-Chauffeur in der Stadt Zürich als Bezugspunkt nimmt. Um es ganz unzynisch – sozusagen realistisch – auszudrücken: Man selbst hat in diesem Beruf am wenigsten Zeit für sich selbst, die meiste Zeit des eigenen Lebens geht für Warten, die Fahrgäste und innerbetriebliche «Vorgänge» drauf. Darüber diskutiere ich nicht mehr. Natürlich war das nicht die Absicht jenes Werbetextes eines Detailhändlers, auf exakt diese Problematik hinzuweisen, das ist Produkt meines eigenen Gehirns, trotzdem konnte und wollte ich mir diesen Gedanken in jenem Moment (und auch später und hier) nicht verbieten. Ganz anders verhält es sich mit dem Namen dieses Detailhändlers: «avec». So direkt über einer der Spiegelflächen platziert, fordert diese Kombination geradezu ultimativ dazu auf, von sich selbst ein (Spiegel-)Bild zu machen: «Avec moi». Wovon auch immer man selbst Teil in jenem Moment sein soll. Ich mag solche Spielereien! Sie auch? Dann wäre es «avec toi». Versuchen Sie es einfach mal! Diese Händlerkette (und auch jene verspiegelten Fenster) finden sich in der Agglomeration noch vergleichsweise oft. Man muss nur mal seine Augen wandern lassen. Gerade erst vor wenigen Tagen attestierte ein mir wichtiger Mensch, ich würde wie ein Kind durch die Welt gehen, ständig würde mein Blick umherwandern…