Irgendwo in Grasse, der Stadt der Düfte schlechthin, fiel mir jene «Dame» ins Auge. Es bedurfte einiger technischer Tricks, bis ich sie endlich unbemerkt eingefangen hatte. Ich gebe unumwunden zu, dass ich zu jener Zeit ein ausgemachter Voyeur war, solche sehr menschlichen Motive waren für mich ein gefundenes Fressen! Heute gelingt mir das nicht mehr so gut, ich habe zunehmend Mühe damit, Menschen abzulichten – insbesondere die, die auf welche Art und Weise auch immer auffallen oder wie in diesem Falle unbedingt auffallen wollen. Die besten Jahre jener Dame lagen sicherlich schon lange zurück und selbst dann möchte ich bezweifeln, dass diese Dame irgendeiner gehobenen Klasse der südfranzösischen Gesellschaft angehört hatte, zu sehr erschien mir ihr übriges Erscheinungsbild als eher zweit- bis drittklassig. Aber sie legte sehr viel Wert auf bestimmte Gesten, führte diese nahezu überbetont aus. Vielleicht war sie in jungen Jahren einmal eine Schauspielerin, die ein oder zwei Nebenrollen spielen durfte und bis zum heutigen Tage von jener kurzen Zeit des Glanzes lebte, aber das ist nur Vermutung. Ihre natürlich gewachsenen Fingernägel aber schienen ihr besonders wichtig zu sein.