Obwohl dieses Bild weder von besonders guter Qualität ist, kein aussergewöhnliches Motiv zeigt und darüber hinaus seinerzeit mit einer bestenfalls durchschnittlichen Kamera gemacht wurde, ist es eines meiner mir liebsten Bilder. Zu sehen ist eine winzige Insel am südlichen Ende des Neusiedler Sees in Österreich, die Insel selbst markiert die Grenze zwischen Österreich und Ungarn. An jenem Tag war es brütend heiss, als ich mit einer kleinen Fähre von der einen zur anderen Seite des Sees übersetzte und an jener Insel vorbei tuckerte. Ob Sie es nun glauben oder nicht: Dieses Bild ist nicht nachbearbeitet! Im Bereich der Unendlichkeit des Horizontes hatten der See und der vollständig wolkenlose Himmel exakt die gleiche Farbe, lediglich der schmale Strich des Uferbereiches deutete das Ende des Sees und den Beginn des anderen Staates an, die Grenze schien nicht mehr zu existieren, durch diesen einzigartigen Zufall der gleichen Färbung aufgehoben. Ich hatte von je her eine sehr eigene Beziehung zu jenem von Menschen geschaffenen Konstrukt «Grenze» (dazu an anderer Stelle mal mehr), hier aber und nur dieses eine Mal in meinem Leben empfand ich dieses Beispiel für eine staatspolitische Trennlinie als schön, weil zumindest ich sie nicht mehr als eine solche wahr nahm – im Gegensatz zu allen anderen, die ich bisher gesehen und auch oft überschritten hatte.