Viele Maler haben die für meine Begriffswelt zutiefst beneidenswerte Fähigkeit, Ansichten in einem Bild fest zu halten und dabei ihre Sichtweise in das resultierende Bild einfliessen zu lassen, sie verleihen der jeweiligen Ansicht ihre ganz eigene Note und erschaffen damit Atmosphären, die sich in einem digital-fotografisch erstelltem Bild nur mit massiver Bildbearbeitung reproduzieren lassen – es sei denn, man trifft auf einen Moment in der Zeit, der eine Ansicht und die Fotografie davon wie das Werk eines bestimmten Malers erscheinen lässt. Einen solchen Moment durfte ich erleben, als ich auf der Insel Mallorca am Abend auf das im Bild gezeigte Haus traf. Jenes merkwürdig entrückt wirkende Licht der untergehenden Sonne an jenem recht kühlen Abend, die gesamte Szenerie erinnerte mich an die Werke des von mir so hoch geschätzten Malers Edward Hopper! Seine Bilder wirken wie Fotografien und dennoch irgendwie fremd, teilweise fast leblos. Auch wenn hin und wieder Abbildungen von Menschen in seinen Werken auftauchen, so erscheinen diese nicht wie lebende Wesen, in der jeweiligen Tätigkeit «eingefroren», sondern wie Schaufensterpuppen, die in die Szenerie eingebaut wurden.

Vielleicht war es wirklich nur Zufall, dass sich an jenem Abend nur sehr wenigen Menschen an diesem Strand von Mallorca aufhielten, aber ich bedauerte das nicht, nicht einmal im Ansatz. Es wäre mir nicht möglich gewesen, ein Haus, welches normaler Weise Leben beherrbergt, so fern jeglichen Lebens und menschlicher Wärme ablichten zu können. Ich habe dieses Bild kaum nachbearbeitet, so, wie es hier gezeigt wird, habe ich es für eine kurze Zeit in jenem Zwielicht des Abends gesehen und obwohl ich in jenem Moment als Mensch vor Ort war und den Auslöser betätigte, fühlte auch ich mich selbst wie eine von Hoppers Schaufensterpuppen, eingetaucht in dieses seltsam kühl und entrückt anmutende Licht einer untergehenden Sonne. Heute erinnert mich dieses Foto insbesondere an das Ende einer schönen, warmen Zeit.