Ein Produkt des Zufalls! An einem regnerischen Wintertag bastelte ich an einer Reihe von Zeitrafferaufnahmen, als ich jenes Einzelbild der Serie in dem riesigen Stapel von mehr als 11.000 Bildern entdeckte. Es zeigt die Bahnhofstrasse in Zürich, die Meile der Eitelkeiten schlechthin, zu später Stunde, menschenleer. Hier gehe ich nur ausgesprochen selten ausserhalb meiner beruflichen Tätigkeit hin, zu jenseitig und exaltiert erscheint mir hier die Traumwelt des Konsums und ihrer «Jünger» in Form von kauf- und selbstdarstellungssüchtigen Menschen jeder Altersstufe. Ich betrachtete das Bild eine Zeit lang und begann, ein paar «Effekte» der digitalen Bildbearbeitung über die dargestellten Pixel zu jagen (was ich normaler Weise nur sehr selten mache, ich bin kein grosser Freund dieser Form von bildhafter Augenwischerei). Heraus kam dabei diese Ansicht, die mich stark an die Film-Serie «Matrix» erinnerte, eine bedrückende Vision der Menschheit, welche in einer fernen Zukunft in einer konstruierten Traumwelt vor sich hin vegetiert. Irgendwie erschien mir diese Ansicht der Bahnhofstrasse in jenem Moment bereits als ein real existierender Teil jener «Matrix» – nur nicht in ferner Zukunft, sondern hier, heute und jetzt.

Jens Liedtke Nicht wie, sondern warum. , ,