Beim Stöbern in meiner inzwischen riesigen Bildersammlung stiess ich auf dieses Foto vom so genannten «Tränenpalast». Zu Zeiten der Berliner Mauer und der innerdeutschen Teilung war der «Tränenpalast» die Übergangsstelle von Ost- nach West-Berlin, lediglich Bürger der Bundesrepublik Deutschland und Angehörige der alliierten Streitkräfte durften hier passieren, Bürger von West-Berlin durften hier nicht hinein und hindurch, die waren genau genommen noch nicht einmal Bürger irgend eines Staates (auch nicht der Bundesrepublik Deutschland), sie waren Bürger der «Zone von Berlin West». Somit konnte und habe ich diesen Ort, bevor die Berliner Mauer fiel, nie aus nächster Nähe gesehen, weder von Innen, noch von Aussen. Erst viele Jahre später entstand an einem sehr ungemütlichen Herbst-Nachmittag dieses Bild von jenem Grenzkontrollpunkt auf den Gebiet des ehemaligen Ost-Berlin. Hier verabschiedeten sich die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik («DDR») und von Ost-Berlin, welches die Hauptstadt der «DDR» war (und deren Bewohner im Gegensatz zu mir sehr wohl Bürger eines Staates waren…), von ihren Angehörigen aus der Bundesrepublik Deutschland – oft sehr tränenreich. Die berühmt-berüchtigte «Berliner Schnauze» war von je her schon immer sehr kreativ, wenn es um die Namensfindung für derartige Konstrukte ging: «Grenzkontrollpunkt Tränenpalast».

Obwohl für meine Begriffswelt viel zu wenig im Stadtbild von Berlin überhaupt noch an jene dunkle Zeit Innerdeutscher Geschichte erinnert, kann man sich – insbesondere im späten Herbst – hier am «Tränenpalast» immer noch sehr gut vorstellen, wie die Tränen einst flossen. Warme Tränen in einer sehr kalten Zeit.